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Die Heilig-Geist-Kirche

Das deutliche anwachsende evangelischen Bevölkerung in der Mitte des 20. Jahrhunderts führte zur Bildung neuer Gemeinden in Biebrich. Auf der Adolfshöhe wurde daher am 1. April 1958 eine eigene Kirchengemeinde gegründet, erster Pfarrer war Hans Hermenau. Zur Erinnerung an seine ehemalige, im Krieg zerstörte Wirkungsstätte in Potsdam war ihm die Namensgebung als evangelische Heilig-Geist-Kirchengemeinde ein besonderes Anliegen.
Die neue Gemeinde strebte zügig dem Bau eines Gemeindezentrums an. Für das Ensemble aus Kirche mit Gemeinderäumen, Kindergarten und Pfarrhaus wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, in welchem der Entwurf des Architekten Wilhelm Neuser den ersten Platz beleget. Man entschied sich schlussendlich jedoch für den unkonventionellen Entwurf des zweitplatzierten Wiesbadener Architekten, Herbert Rimpl.

Am 17. Dezember 1961, dem dritten Advent, konnte das moderne Gotteshaus geweiht werden. Durch die Kombination der ungewöhnlichen Formgebung mit der mutigen Verwendung des Baustoffs Beton wurde das Gotteshaus bald als „kühnste Kirche Hessens“ bezeichnet.
Der Plan greift die Parabel als gestalterische Grundform in horizontaler wie vertikaler Ebene auf. Er vereinigte die Gemeinderäume im Erdgeschoss mit dem im Obergeschoss liegenden Kirchenraum unter einem mit Kupferblech gedeckten, bis zum Erdboden gezogenen Dach. Auf diese Weise wird nicht nur eine architektonische Verknüpfung vorgenommen, sondern auch die Einheit zwischen der verkündigten Botschaft und dem praktizierten Leben der Gemeinde betont.

Mit dem hoch aufstrebende Innenraum wollte Rimpl ausdrücklich an die unermessliche Dimension des Himmelsgewölbes erinnern. Das rund 20 m lange Kirchenschiff bietet Platz für circa 280 Personen. Der Rund 25 m hohe Glockenturm ist ebenfalls parabelförmig gestaltet und nach Osten neben die Freitreppe und somit vor den Baukörper gesetzt.
Während im Kirchenschiff mittels der in Betonwerkstein gefassten, in rot und blau gehaltenen Verglasung ein gewisses Dämmerlicht erzeugt wird, zieht der nördlich gelegene Chorraum durch ungefiltertes Tageslicht die Aufmerksamkeit auf sich. Die Verbindung zwischen dem Kirchenschiff und dem Chor wird durch ein circa 1m breites, im Metallrahmen gefasstes Fensterband gebildet.

An der Wand des Chores ist ein monumentales, aber schlicht gehaltenes Kreuz so geschickt angebracht, dass es quasi zu schweben scheint. Es ist, wie die meisten Objekte der Innenausstattung aus dem Werkstoff Dyckerhoffer Weiß gestaltet.
Dazu passen Altar, Kanzel, Taufstein und Leuchter für die Taufkerze, sowie die an der Wand angebrachten Symbole für die vier Evangelisten (Menschkopf, Löwe, Stier und Adler). Diese Kunstwerke stammen, wie die gesamte Gestaltung der Ausstattung der Kirche von der Künstlerin Inga von Starnberg.

Das fünfstimmige Geläut der evangelischen Heilig-Geist-Kirche wurde am 30. August 1961 in Sinn (Dillkreis) bei der Firma Rincker gegossen. Die Orgel auf der Empore über dem Eingang wurde von den Gebrüdern Oberlinger in Windesheim (bei Bad Kreuznach) gebaut. Ihre Registrierung erfolgt elektrisch und kann teilweise vorgewählt werden.

Wenn Sie auf das Icon klicken, gelangen Sie auf eine externe Seite von YouTube und können eine Präsentation über Architektur und Ausstattung der Heilig-Geist-Kirche sehen, die für den „Tag des offenen Denkmals“ 2023 erstellt wurde.