Die Markuskirche
Um 1890 entstanden die ersten Häuser entlang des Weges, der später den Namen „Waldstraße“ erhielt. Ihre ersten Wohnbauten waren Häuser für Arbeiter der dort gelegene Ziegeleien, die zunächst für den Gottesdienst in der Lutherkirche gehen mussten. Erst seit 1900 fanden eigene Gottesdienste in dem neuen Ortsteil, der noch 1907 in den Kreisakten als „entlegene Kolonie“ bezeichnet wurde, statt. Zunächst traf sich die kleine Gemeinde aller vier Wochen in der alten Schule, später alle Sonntage in der 1902 errichteten (späteren Diesterweg-)Schule.
Bis zum Ersten Weltkrieg war die Einwohnerzahl an der Waldstraße auf über 2200 gestiegen, ein Gemeindehaus mit Kindergarten, Schwesternstation und Kirchsaal entstand. Der Grundstock für ein eigenes Gotteshaus konnte erst 1951 gelegt werden: die EKHN stellte den Betrag von 10.000 DM für den Bau einer Notkirche zur Verfügung. Neben dem überaus kleinen Budget erschwerte die überschaubare Grundstücksgröße die Planungen.
Viele Schwierigkeiten waren zu überwinden, bis am 11. Mai 1954 die Grundsteinlegung stattfinden konnte. Der Bau ging dann schnell von statten und schon am 4. Advent, dem 19.12.1954, weihte Propst Dr. zur Nieden das neue Gotteshaus, dass den Namen Markuskirche erhielt, ein. Aus Spenden der Gemeindeglieder konnte bald eine Schleifladen Orgel der Firma Kemper angeschafft werden die zum Erntedankfest 1955 erstmalig erklang.
„Die evangelische Kirchengemeinde an der Waldstraße lernte ich am Karfreitag 1946 kennen. Anfang April jenes Jahres war ich aus der Kriegsgefangenschaft nach Wiesbaden entlassen worden. … Bei meiner Vorliebe für Schlichtheit im Kirchenbau beeindruckte mich der kleine Saal im Gemeindehaus der Waldstraße gleich positiv. Er war ganz gefüllt, und die Gemeinde wirkte wie eine große Familie.“ (aus den Erinnerungen von Pfr. Hagel)
Ein besonderes Ausstattungsstück der Markus kirche ist der in der Darmstädter Paramentenwerkstatt hergestellte Wandbehang. Linien und Licht sind auf eine unmittelbare Weise die starken Stilmittel des großflächigen „Bildes“. Allerdings sind beide Elemente in der Anlage des Künstlers mit deutlicher Dynamik versehen worden, mit Schwüngen wie mit Brüchen, die bewusst durch die Gestaltung als textile Aufbringung eine fast reliefartige Tiefe bekommen.
Das aus einer Art Wolke hervorbrechende Licht (gelb) in seiner Umbrechung nach unten in der Kraft des Heiligen Geistes (rot) führt zum Blau des Wassers offen an den Ort des Taufbeckens. Ohne dass hier das Kreuz ausdrücklich wieder aufgenommen wurde bleibt klar, dass dieses „Bild“ ein Christusbild ist. So öffnet es dem Betrachter den Sinn für das zentrale Geschehen des Gottesdienstes: Gottes Geist bricht ein in diese Welt; Gott durchkreuzt unser Denken.