Die Lutherkirche wurde 1908-1910 nach den Plänen des Kirchbaumeisters Friedrich Pützer gebaut und im Januar 1911 eingeweiht. Grundlage seiner Pläne war das „Wiesbadener Programm“ – ein protestantisches Kirchbauprogramm des späten 19. Jahrhunderts. Die Kirche ist ein Juwel des Jugendstils, ein Denkmal von nationalem Rang, in Stein gegossene Theologie des deutschen Kulturprotestantismus. Nach außen recht schlicht gehalten, zeigt sich ihr Inneres in einer außergewöhnlichen Ausschmückung, an der namhafte Künstler der Darmstädter Mathildenhöhe beteiligt waren.
Die Außenansicht
Der Name „Lutherkirche“ ist gut gewählt, erinnert doch das Äußere mit seinem mächtigen Hauptturm, den drei Treppenhaustürmchen und dem hohen Dach an das Lutherlied „Ein feste Burg ist unser Gott“, welches auch über dem Haupteingang zitiert wird.
Die städtebauliche Wirkung der Baugruppe tritt erst aus größerer Entfernung deutlich hervor.
Der Eingang
Dem Hauptportal ist ein Portikus im byzantinischen Stil vorgelagert. Die Gemeinde wurde durch eine wohlhabende Stifterin in die Lage versetzt, diese reiche, etwas vom sonstigen Stil abweichende Ausstattung auszuführen. In der heutigen Form ist der Eingang ein Werk des Frankfurter Bildhauers und Medailleurs Augusto Varnesi (1866 – 1941), der auch Professor an der TH Darmstadt war.
Der Vorraum
„Würdig und stimmungsvoll – von dem Kleinen nach dem Großen – soll der Eintritt in die Kirche vorbereitet werden“. Zugleich werden die Kirchenbesucher:innen hier im Vorübergehen an ihre Taufe erinnert. Gegenüber der gegenstandslosen Ornamentik sticht umso mehr ein Fenster der Glasmaler Linnemann als „erzählendes Element“ der goldenen Taufkapelle ins Auge.
Der Innenraum
Die längs gerichtete Ellipse des Raumes wird betont durch den Schwung der Empore. Alle Linien lenken den Blick nach vorn zur Einheit von Altar (Abendmahl), Kanzel (Frohe Botschaft), Chorempore und Orgel (Musik). Auch die leichte Absenkung des Fußbodens zum Altarraum hin (0,80 m) und die leicht gerundete Anordnung der Bänke unterstützen die Schwerpunkte des „Wiesbadener Programms“.
Das Wiesbadener Programm
Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieses Kirchbauprogramm in der Hessischen Landeshauptstadt entworfen und wurde in der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg im gesamten deutschsprachigen Raum prägend (erstmals an der Ringkirche). Es betont die Bedeutung der Gemeinde, das allgemeine Priestertum aller Glaubenden und die Gleichwertigkeit der verschiedenen Elemente des Gottesdienstes.
Orgeln und Übermalung
Die Lutherkirche besitzt zwei bedeutende Orgeln: Eine der ersten großen Orgeln mit elektro-pneumatischer Traktur im Chorraum (1911 von der Fa. Walcker, Ludwigsburg, mit 50 Registern und 3 Manualen gebaut). Gegenüberliegend, auf der Empore über dem Eingang zum Kirchenraum, befindet sich seit 1979 eine dreimanualige Orgel mit 44 Registern und mechanischer Traktur, erbaut von der Firma Klais, Bonn.
Turm und Dach
Das großflächige Kirchendach von 20 m Höhe – der First liegt 37m hoch – wird von einer freigespannten Stahlkonstruktion getragen, die zu Bauzeiten wegen ihrer Kühnheit in Fachkreisen Aufsehen erregte.
Der Hauptturm ist 50m hoch. Seine Spitze wird nicht wie sonst oft üblich von einem Kreuz oder Hahn gekrönt, sondern endet in einem Ellipsoid – eine Form, die sich auch im Innern der Kirche mehrfach wiederfindet.
Wenn Sie auf das Icon klicken, werden Sie auf eine externe Seite von YouTube geleitet und können auf einen Drohnenflug um und in die Lutherkirche gehen. (Danke an Leonard Göttert – Aufnahme von 2016)